Was ist Infrastructure Asset Management (IAM)?

Firmenchef, der im Büro die Finanzen des Unternehmens überprüft.

Was ist IAM?

Infrastructure Asset Management (IAM) ist ein integriertes, multidisziplinäres Asset-Management-System zur Aufrechterhaltung öffentlicher Infrastruktursysteme während ihres gesamten Lebenszyklus (von der Planung bis zur Stilllegung oder Entsorgung), sowohl für kritische Infrastrukturen als auch physische Assets.

Infrastruktursysteme wie Kläranlagen, Telekommunikationsnetze, Abwasserleitungen, Straßen, Versorgungsnetze, Brücken und Eisenbahnen werden alle durch Infrastructure Asset Management verwaltet.

Allein im Jahr 2022 gaben die Vereinigten Staaten mehr als 36 Milliarden US-Dollar für Infrastrukturprojekte aus und stellten den Regierungen der Bundesstaaten weitere 94,5 Milliarden US-Dollar zur Verfügung.1 Von den Straßen und Brücken, auf denen wir fahren, bis hin zu den Stromnetzen, die unsere Häuser und Arbeitsplätze mit Strom versorgen – die Infrastruktur hat einen entscheidenden Einfluss auf unser tägliches Leben. Wird diese Infrastruktur nicht sachgemäß verwaltet, kann dies kostenintensive und schwerwiegende Folgen haben. Diese reichen von Serviceunterbrechungen bis hin zu katastrophalen Störungen, die zum Tod bzw. zu Sachschäden führen können.

Beim IAM geht es jedoch nicht nur um die Wartung und Reparatur von Assets. Es ermöglicht Unternehmen darüber hinaus auch die Optimierung von Assets und Serviceangeboten, indem die strategische Entscheidungsfindung sowie gezielte Risikomanagement-Praktiken gefördert werden. Durch strategisches und systematisches Infrastructure Asset Management (IAM) können Unternehmen die Servicebereitstellung verbessern, die Lebensdauer von Anlagen verlängern, die Lebenszykluskosten senken und die Risiken im Zusammenhang mit Störungen an den Anlagen minimieren.

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Schlüsselelemente beim IAM

Der IAM-Prozess ist ein komplexes Ökosystem aus Komponenten und Praktiken. Dazu gehören beispielsweise die Folgenden:

  1. Asset-Bestand
  2. Zustandsbewertung
  3. Level of Service (LOS)
  4. Lebenszykluskosten
  5. Risikomanagement
  6. Langfristige Finanzplanung
  • Bestandserfassung: Bei der Umsetzung eines Asset-Management-Plans ist es wichtig, ein umfassendes Inventar aller Infrastrukturassets zu erstellen. Dazu gehören Informationen über den Standort, das Alter, den Zustand, die Kapazität und andere wichtige Merkmale des jeweiligen Assets.
  • Zustandsbewertung: Zustandsbewertungen sind systematische Prozesse, die den aktuellen Status eines Assets bewerten. Die Wartungsteams nutzen diese Informationen, um vorherzusagen, wann ein Asset repariert oder ersetzt werden muss. Das ist entscheidend für eine effektive Planung und Budgetierung.
  • Service-Level: Die Leistungsanforderungen für ein Asset werden als „Service-Level“ bezeichnet. Service-Level können auf der Qualität, Menge, Zuverlässigkeit und/oder Reaktionsfähigkeit des vom Asset geleisteten Service basieren. 
  • Kostenzuordnung über den Lebenszyklus: Bei der Kostenzuordnung über den Lebenszyklus werden alle Kosten berücksichtigt, die über die gesamte Lebensdauer mit einer Infrastrukturinvestition verbunden sind. Das umfasst Kosten für Planung, Design, Konstruktion, Betrieb, Wartung, Sanierung und Aussonderung.
  • Risikomanagement: Risikomanagement beim IAM beinhaltet die Identifizierung und Bewertung von Risiken im Zusammenhang mit Störungen der Infrastrukturassets. Sobald Risiken identifiziert sind, können Wartungsteams Strategien entwickeln, wie damit umgegangen werden soll.
  • Langfristige Finanzplanung: Viele Infrastrukturassets sind auf eine Lebensdauer von Jahrzehnten ausgelegt. Daher erfordert IAM eine langfristige Finanzplanung, um sicherzustellen, dass die notwendigen Ressourcen für den Betrieb, die Wartung und den Austausch von Infrastrukturassets verfügbar sind.
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IAM-Lebenszyklus

Natürlich variieren die Strategien für das Asset Management von Organisation zu Organisation in Abhängigkeit von den individuellen Anforderungen der jeweiligen Einrichtung. Der IAM-Lebenszyklus lässt sich jedoch grob in sieben Schritte aufgliedern:

1. Planung

Der IAM-Prozess beginnt mit der Ermittlung des Bedarfs im Hinblick auf die Assets (z. B. Anforderungen für neue Assets bzw. Austausch von Assets). Berücksichtigt werden dabei die strategischen Ziele der Organisation und auch die Art und Weise, wie das jeweilige Asset diesen Zielen dient. Das Planungsstadium umfasst auch eine Kosten-Nutzen-Analyse, Durchführbarkeitsstudien und die Entwicklung eines ersten Assetdesigns.

2. Design und Beschaffung

Der nächste Schritt im IAM-Lebenszyklus besteht darin, das Assetdesign zu erstellen und die notwendigen Ressourcen für seine Konstruktion zu beschaffen. Dazu gehören die Erstellung detaillierter Designs und Spezifikationen, die Bestimmung aller erforderlichen Materialien und Ressourcen, die Suche nach diesen Ressourcen und die Erstellung detaillierter Kostenvoranschläge.

3. Konstruktion oder Übernahme

In diesem Abschnitt konstruiert oder übernimmt die Organisation das Asset. Dabei werden die Entwurfspläne und Spezifikationen aus der vorherigen Phase umgesetzt. Diese Phase umfasst auch das Testen des Assets, um sicherzustellen, dass es den Designspezifikationen und organisatorischen Anforderungen entspricht.

4. Betrieb

Sobald Konstruktion und Installation des Assets abgeschlossen sind, beginnt die Operationsphase, in der das Asset für den beabsichtigten Verwendungszweck eingesetzt wird. Organisationen sollten eine regelmäßige Assetüberwachung durchführen, um sicherzustellen, dass das Asset über die gesamte Lebensdauer die erwartete Leistung bringt.

5. Wartung und Upgrades

Die Wartung des Assets ist ein kritisches Element im IAM-Lebenszyklus. Die Wartung ist ein fortlaufender Prozess, der eine planmäßige vorbeugende Wartung umfasst, damit das Asset effizient und effektiv läuft. Sowie reaktive Asset-Wartung zur Behebung von Problemen, die unerwartet auftreten, sowie Upgrades und Verbesserungen, um die Asset-Leistung zu verbessern oder die Lebensdauer des Assets zu verlängern.

6. Erneuerung/Austausch

Irgendwann erreicht jedes Asset das Ende seines Lebenszyklus. Außerdem können Assets im Laufe der Zeit an Effektivität verlieren oder sogar veralten. Wenn dies geschieht, wird das Asset entweder erneuert — wobei das Asset größeren Reparaturen oder Modernisierungen unterzogen wird, um seine Nutzungsdauer zu verlängern — oder es wird ersetzt. Der Austausch eines Assets beinhaltet die sichere Demontage und Entsorgung des alten Assets und die Installation eines neuen.

7. Überprüfung und Prüfung

In der letzten IAM-Phase wird der gesamte Prozess überprüft und geprüft, um verbesserungswürdige Bereiche zu identifizieren und eine kontinuierliche Optimierung des Lebenszyklus bei der Verwaltung von Infrastrukturassets zu gewährleisten.

Anwendungsfälle von IAM

Organisationen aus verschiedenen Branchen des öffentlichen und privaten Sektors setzen auf IAM, um ihre Infrastrukturassets bestmöglich zu nutzen. Bemerkenswerte Anwendungsfälle von IAM sind unter anderem folgende Beispiele:

Kommunen und Orte

Orte und Kommunen sind für eine Vielzahl öffentlicher Anlagen verantwortlich, unter anderem für Straßen, Brücken, Immobilien in öffentlicher Hand, Parks, Wasserversorgungs- und Abwassersysteme und mehr. Um diese Assets systematisch zu verwalten, setzen sie auf IAM. Es ist zum Beispiel denkbar, dass eine Stadt mit IAM Straßenreparaturen anhand von Faktoren wie Straßenzustand, Verkehrsaufkommen und verfügbarem Budget priorisiert und so sicherstellt, dass die dringendsten Reparaturen zuerst erfolgen. Außerdem kann IAM staatlichen und kommunalen Behörden dabei helfen, Initiativen zur nachhaltigen Entwicklung umzusetzen. Schließlich kommt es bei der Bevölkerung durch den Klimawandel nach und nach zu Veränderungen und Verlagerungen.

Versorgungsunternehmen

Versorgungsunternehmen verwalten umfangreiche Infrastrukturnetze, die wichtige Services wie Elektrizität, Gas und Wasser bereitstellen. Diese Firmen nutzen die Verwaltung von Infrastrukturassets, um eine zuverlässige Versorgung zu gewährleisten und Betriebsunterbrechungen und Ausfallzeiten zu minimieren. So kann beispielsweise ein Wasserversorgungsunternehmen mithilfe der Verwaltung von Infrastrukturassets vorhersagen, wann eine Wasserleitung wahrscheinlich ausfallen wird, und die vorbeugende Wartung entsprechend planen, um einen störenden und kostenintensiven Wasserleitungsbruch zu vermeiden.

Verkehrsbehörden

Verkehrsbehörden sind zuständig für die Verwaltung von Autobahnen, Eisenbahnstrecken, Flughäfen und Seehäfen. Diese Organisationen machen sich die Verwaltung von Infrastrukturassets zunutze, um Infrastrukturassets zu warten und eine sichere und effiziente Beförderungssituation zu gewährleisten. Bei einem Autobahnsystem kann zum Beispiel mithilfe der Verwaltung von Infrastrukturassets alles vom Zustand des Straßenbelags über die Beschilderung und die Funktionalität von Sicherheitsschranken bis hin zur Effizienz von Raststätten verwaltet werden.

Energiesektor

Im Energiesektor spielt IAM eine wichtige Rolle bei der Verwaltung von Assets wie Kraftwerken, Windkraftanlagen, Sonnenkollektoren sowie Netzen zur Elektrizitätsübertragung und -verteilung. Eine vorbeugende Wartung – eine Schlüsselkomponente von IAM – kann Energieversorgern beispielsweise dabei helfen, Störungen in ihrer Infrastruktur zur Energiegewinnung und -übertragung zu antizipieren und zu mindern. Indem sie potenzielle Probleme erkennen, bevor sie auftreten, können Firmen Unterbrechungen vermeiden und für eine zuverlässige Energieversorgung ihrer Kunden sorgen.

Einrichtungen im Gesundheitswesen

Einrichtungen im Gesundheitswesen wie beispielsweise Krankenhäuser und Kliniken sind zur Erbringung von kritischen Services auf die Infrastruktur angewiesen. Dazu gehören nicht bloß die Gebäude, sondern auch die komplexe medizinische Ausrüstung, HLK-Systeme sowie die IT-Netzwerke, die vom medizinischen und administrativen Personal genutzt werden. Daher können diese Organisationen mit IAM die Reliabilität und Verfügbarkeit von Assets sicherstellen und die Krankenversorgung sowie die Behandlungsergebnisse verbessern.

Bildungseinrichtungen

Schulen, Hochschulen und Universitäten besitzen und betreiben eine breite Palette von Assets – von Schulungsräumen und Labors bis hin zu Bibliotheken und Sportanlagen. Mit IAM sorgen diese Bildungseinrichtungen dafür, dass ihre Assets sicher und gut gepflegt sind. Das wiederum schafft ein Umfeld, das förderlich ist für das Lernen und die jeweilige Aktivität. Ein effektives IAM ermöglicht es Schulen, den zukünftigen Kapazitätsbedarf zu planen, Wartungs- und Reparaturpläne zu verwalten und so Unterbrechungen zu minimieren. Außerdem kann dadurch die Einhaltung von Sicherheits- und anderen gesetzlichen Standards gewährleistet werden.

Rechenzentren

Die Implementierung von IAM-Programmen kann sich auch in Rechenzentren auszahlen, in denen die IT-Infrastruktur der Firmen untergebracht ist. Die Verwaltung von Assets wie Servern, Speichermedien, Netzwerkausrüstung sowie Strom- und Kühlsystemen ist für die Leistung dieser Einrichtungen unabdingbar. Rechenzentren können IAM nutzen, um den Zustand von Datenressourcen in Echtzeit zu überwachen und den Führungskräften zu helfen, die Konnektivität und die Verwendung der Assets zu optimieren.

Einrichtungen in der Abfallwirtschaft

Einrichtungen in der Abfallwirtschaft (z. B. Deponien, Recyclingzentren und Müllverbrennungsanlagen) nutzen Infrastrukturassets für den Umgang mit und die Verarbeitung von Ausschuss. IAM kann diese Einrichtungen im Hinblick auf ihre Praktiken im Rahmen der Abfallwirtschaft bei der Optimierung ihrer Assets, beim Risikomanagement, bei der Einhaltung von Bestimmungen und bei der Gewährleistung der Nachhaltigkeit und Umweltsicherheit unterstützen.

Die Zukunft von IAM

Mit Blick auf die Zukunft werden Technologien der Industrie 4.0 wie KI, maschinelles Lernen und Internet der Dinge, zusammen mit Prozessinnovation, einen tiefgreifenden Einfluss auf die Asset-Management-Praktiken haben, sodass die Automatisierung und Standardisierung von Prozessen in der Branche zum Standard werden.

Fortschrittliche Technologien können dabei helfen, verschiedene Aspekte von IAM zu automatisieren und zu verbessern. Geografische Informationssysteme erfassen, speichern, analysieren und visualisieren beispielsweise Geodaten (z. B. Karten, Satellitenbilder, Luftaufnahmen, Umfragedaten usw.). Wenn geografische Informationssysteme mit Systemen für das IAM integriert werden, werden die Assetdaten um räumlichen Kontext ergänzt. Das hilft Führungskräften, die Beziehungen zwischen Assets, ihrem Standort und ihrer Umgebung besser zu verstehen.

Darüber hinaus haben Länder und Regionen auf der ganzen Welt (u. a. Australien, Kanada, Neuseeland und das Vereinigte Königreich) damit begonnen, internationale Standards und Best Practices für ein effektives Asset Management einzuführen. Die Norm-Serie ISO 55000 stellt beispielsweise Leitlinien und Frameworks für Asset-Management-Prozesse bereit und hilft Organisationen auf der ganzen Welt dabei, konsistent effektive Praktiken für das IAM zu etablieren.

IAM ist von entscheidender Bedeutung für die Gewährleistung einer nachhaltigen und effizienten Nutzung von Infrastrukturassets. Dieses Feld wird auch noch zukunftsweisender werden und den Weg für smartere und resilientere Infrastruktursysteme ebnen, die uns auch noch lange in der Zukunft begleiten werden.

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